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Zu Gast im Franziskanerkloster

Am Freitag, den 5. Juni, trafen sich die Chronistinnen und Chronisten des Bezirks Schwaz in der Bezirkshauptstadt. Der Austrian Guide Gottfried Winkler führte die Gruppe durch das Franziskanerkloster – und hatte dabei viel zu erzählen.

Schwaz war vor 1400 ein kleines, unbedeutendes Dorf: 31 Häuser, rund 300 Einwohner.
Hundert Jahre später lebten dort etwa 20.000 Menschen. Was das für die damalige Zeit bedeutete, lässt sich kaum überschätzen – auch organisatorisch. Die Lebenserwartung war kurz: Männer wurden durchschnittlich 35 Jahre alt, Frauen sogar nur rund 30. Der Gedanke an das Jenseits war entsprechend allgegenwärtig. Die Kirche geht auf die Initiative der Schwazer Knappen zurück. Sie schätzten die Einfachheit der Franziskaner und wollten sie im Ort haben.

Aus ihren Almosensteinen wurde die Kirche zu 90 Prozent finanziert. 1507 erteilte Kaiser Maximilian I. die Genehmigung, und bereits acht Jahre später war der Bau fertig.

Mit 59 Metern Länge gehört die Franziskanerkirche zu den größten gotischen Kirchen Tirols. Die besonders lange Apsis sorgt für eine bemerkenswert gute Akustik.

1809 brannte Schwaz. 450 Häuser wurden zerstört. Das Kloster, das Fuggerhaus und die alte Linde vor der Kirche blieben verschont.

Im Kreuzgang fanden nach dem großen Brand von 1809 für drei Jahre lang rund 200 Menschen Zuflucht.

Das historische Uhrwerk aus dem Jahr 1753 steuert über ein ausgeklügeltes Gestänge insgesamt vier im Kloster verteilte Uhren an.

Das Refektorium, der Speisesaal des Klosters, fasste einst 90 Patres und Brüder, die hier gemeinsam unter absolutem Schweigen (Silenzium) speisten – begleitet von der Lesung eines Evangeliumstextes.

Die Veranstaltung war der Auftakt einer dreiteiligen Reihe. Am ersten Freitag im Juli steht die Pfarrkirche auf dem Programm, im August die Geschichte der Fugger in Schwaz. Organisiert hat alle drei Termine Bezirkschronistin Sylvia Brunner.

Alle Fotos: Martin Luxner
Text: Veronika Lamprecht
8. Juni 2026