„Wo ist denn da in Patsch die Altstadt?“
Mit dieser Frage eröffnete der Ortschronist Oswald Wörle am 26. September 2026 seine Dorfführung durch Patsch. Die Teilnehmer der Führung, alle einst oder aktuell mit dem Dorf eng verbunden, schmunzelten über den Blick von außen. Den Blick einer Touristin, die diese Frage einst dem Ortschronisten stellte.

Aber welchen Blick bietet die Geschichte auf das Ortszentrum von Patsch?
Beim Spaziergang durch die schmalen Gassen erzählte Oswald Wörle den Zuhörern viele historische Begebenheiten aus dem Ort. Er berichtete von den Bewohnern im letzten Jahrhundert, wie dem Fasser (dem Fassbinder), dem Kessler (dem Kesselmacher) und dem Bauern mit der größten Landwirtschaft (dem Pfarrer). Er erzählte über die Bedeutung der Hofnamen, die langsam in Vergessenheit geraten. Er blieb bei Kanalgittern stehen und wies auf den längst unter der Erde in einen Kanal gezwängten Dorfbach hin, der einst eine wichtige Rolle spielte. Und er berichtete, wie raffiniert die Handwerker vorgingen, als sie den vom Blitz schwer beschädigten Kirchturm reparierten, und was dabei in der Kirchturmkugel gefunden wurde.






All diese Geschichten geben dem Ort ein Gesicht – so Oswald Wörle.
Er betonte, wie wichtig es ist, das Gesicht des Ortes zu erhalten. Denn was wäre der Ort ohne seine Geschichte?
Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen quittierten Wörles Ausführungen mit zahlreichen Fragen und eigenem Wissen. Am Ende verteilte der Chronist Broschüren, die über die Patscher Chronik informieren, und wies darauf hin, dass sie öffentlich zugänglich ist und von der Gemeinde geschützt wird.
Vielleicht hat Patsch keine Altstadt im klassischen Sinn – aber es hat ein Gesicht, dessen Facetten in der Chronik ruhen und bei jeder Dorfführung neu zum Vorschein kommen.
Text und Fotos: Veronika Lamprecht
30. September 2026