Ein Blick in Pettneus Vergangenheit
Eine Sammlung bestehend aus 30 großformatig gedruckten Correspondenz-, Post- und Ansichtskarten macht im Pettneuer Kunstraum sichtbar, wie sich der Ort seit den 1890er Jahren gewandelt hat. Die Ausstellung, die am 29. August eröffnet wurde, spannt einen visuellen Bogen über mehrere Jahrzehnte Ortsgeschichte.

Mit einer Bildschirmpräsentation und Musik der Pettneuer Blechnasen wurde die Ausstellung am 29. August feierlich eröffnet.

Initiiert von Fritz Falch, Max Stecher und Hartwig Röck, die auch die historischen Correspondenz-, Post- und Ansichtskarten zur Verfügung stellten, bietet die Ausstellung noch bis Ende September einen besonderen Blick in die Ortsgeschichte. Als Vortragender der Bildschirmpräsentation trat der Pettneuer Ortschronist und Obmann des Vereins Kunstraum, Kurt Tschiderer, auf: „Es sind kleine Bilder, die wir ganz groß rausgebracht haben.“

Die großformatigen Drucke können für jeweils 80 Euro erworben werden. Die älteste Postkarte der Sammlung stammt aus dem Jahr 1869 – damals war auf der Rückseite ausschließlich die Adresse erlaubt, der Text musste vorne stehen. Mit den ersten bebilderten Karten durfte er zunächst nur rund um das Motiv platziert werden – erst später wurde der linke Bereich neben dem Adressfeld für Mitteilungen freigegeben.
Wetter, Bestellungen und Glückwünsche
Die gesammelten Postkarten hielten spannende Inhalte bereit – von behördlichen Rüffeln an die Gemeinde bis hin zu privaten Nachrichten.

So schrieb etwa ein Heinrich im August 1897 an seinen Freund Leo: „Das Wetter hier ist nicht auszuhalten, es gab auch schon Überschwemmungen.“
Solche historischen Karten geben also Einblick in Klima- und Wettersituationen vergangener Zeiten, aber auch in wirtschaftliche Entwicklungen. Wirtshäuser im Ort ließen professionelle Fotografen und Verlagshäuser Karten ihrer Betriebe anfertigen – eine Pettneuer Gastwirtin bestellte sogar 40 Meter Leinen per Postkarte. Natürlich dienten Postkarten damals auch häufig als Glückwunschkarten. Der Namenstag hatte einst einen höheren Stellenwert als der Geburtstag – „Ich gratuliere dir zum hohen Namensfeste“, steht auf einer der Karten.
„Beeinflusst durch Tourismus“
Historisch bedeutsam sind auch die Motive auf den Karten: „So weiß man, dass früher auf über 1.300 Metern Seehöhe hoch über Pettneu Getreide angebaut wurde“, erklärte Kurt Tschiderer und zeigte dazu eine entsprechende Karte. Auch die Verkehrsgeschichte lässt sich nachvollziehen – auf einer Ansicht fehlt die Südumfahrung noch. „Der Tourismus hat die Gestaltung der Ansichtskarten beeinflusst“, sagte Tschiderer und las eine Nachricht einer Wirtin vor, die heute schmunzeln lässt: „Es sind nicht viele Gäste da, aber wir haben genügend Schnee. Wenn Sie kommen wollen, wir hätten noch Zimmer frei.“

Alle Karten sind im digitalen Gemeindearchiv auf der Homepage der Gemeinde Pettneu abrufbar. Die Ausstellung ist bis 27. September zu sehen: samstags von 18 bis 19.30 Uhr, sonntags von 16 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0664 3787784.
Text und Fotos: Elisabeth Zangerl, Regionalmedien
01. September 2026