Brandchronik der Gemeinde Matrei am Brenner
Der Vortrag „In Matrei brennt’s“ von Chronist Walter Reitmair war ein so großer Erfolg, dass er gleich zweimal im Rathaussaal Matrei abgehalten wurde – und beide Male strömten zahlreiche Gäste aus der Bevölkerung herbei. Für alle, die nicht dabei sein konnten, hat Walter Reitmair den Inhalt des Vortrags hier schriftlich zusammengefasst:
Matrei wurde öfters von verheerenden Bränden heimgesucht, weil sich einerseits die Bauweise in zwei Häuserzeilen mit Schindeldächern und andererseits sich der Föhn als Brandbeschleuniger auswirkte. Aufzeichnungen über die Großbrände findet man im Matreier Bürgerbuch und im Archiv des Stiftes Wilten.
Unter dem Einfluss der Feuerbrunst vor 110 Jahren hat der Stiftsarchivar Franz Danner unter dem Titel „Große Brände in Matreis Vergangenheit“ die Aufzeichnungen der Brandkatastrophen aus dem Stiftsarchiv ausgehoben und in den Ausgaben der „Neue Tiroler Stimmen“ vom 13. und 14. Mai 1916 veröffentlicht. Dadurch zeigte sich, dass die Äbte vom Stift Wilten, besonders Abt Alois Röggl , eifrige Sammler von Berichten über besondere Ereignisse waren.

Der erste aufgezeichnete Brand war am 21. April 1468, der nächste am 3. Mai 1530 gerade als der junge Kaiser Karl V. und sein Bruder König Ferdinand, Erzherzog von Österreich, mit großem Gefolge nach ihrem Zusammentreffen am Zoll Lueg in Matrei übernachten wollten, was nicht mehr möglich war.
Am 13. April 1741 brannte der ganze westliche Teil von Pfons unterhalb der Landstraße nieder. 13 Häuser samt Nebengebäuden wurden ein Raub der Flammen.
Am 19. März 1748 vernichtete ein Großbrand die Ostseite des Marktes vom Gasthaus zur Krone bis zum Gasthaus Weiße Rose 17 Häuser. Der starke Wind hat das Feuer auch auf der Westseite entfacht, dabei ist das Ballhaus, eine ertragreiche Handelseinrichtung in Matrei, niedergebrannt, wurde aber rasch wieder aufgebaut.
Einer der größten Brände ereignete sich am 10. Mai 1762 als die Ostseite ab der Hl.-Geist-Kirche bis einschließlich Gasthof Weiße Rose und die Westseite vom Südende von Matrei bis zum vierten Haus unterhalb des Gasthofes zum Goldenen Stern, insgesamt 54 Häuser, vollständig niederbrannten. Die gotische St. Oswaldkirche, die am südlichen Ende des Marktplatzes stand, brannte dabei völlig aus und wurde nicht mehr aufgebaut. Auch das Ballhaus brannte wieder ab. Seine Funktion wurde dann in das Gasthaus Zur Uhr verlegt.
Nach diesem Großfeuer schrieb die Matreier Gemeindevorstehung einen Brief an Kaiserin Maria Theresia mit einem Bericht über die verheerenden Feuersbrünste sowie die Kosten für den Wiederaufbau und die Bitte um Beistand.
Am 14. April 1774 brannten wieder ein Teil beider Häuserzeilen vollständig nieder. 29 Häuser wurden zerstört, 28 Familien obdachlos.
Nur vier Jahre später, am 23. März 1778, brannte abermals fast der ganze Markt ab, 47 Häuser in Matrei und 22 Häuser in Mühlbachl wurden ein Raub der Flammen. Drei Menschen verloren dabei ihr Leben.
Innerhalb von 30 Jahren entstanden vier Großfeuer mit riesigem Schaden. Dies veranlasste die Gemeindevorstehung einen Brief an Kaiser und Mitregent Josef II. zu schreiben mit der Bitte um Hilfe.
Am 27. Juli 1859 vernichtete ein Feuer 12 Häuser von Mühlbachl, 23 Familien wurden obdachlos, und am 5. März 1863 wütete ein Riesenbrand in der Altstadt, dem 22 Häuser, Mesnerhaus, Zieglstadl, die Turmhelme und die Dächer der Pfarr- und der Johanneskirche, das gesamte Inventar der Johanneskirche und die Sillbrücke zum Opfer fielen.
Nach den Bränden zweier Häuser am 7. Oktober 1880 am Südende von Matrei, am 6. Oktober 1912 im Obermarkt und am 30. November 1912 in Mützens kam es am 5. Mai 1916 zum bisher letzten Großbrand.


Diese Feuersbrunst ist umfangreich im Matreier Chronikarchiv dokumentiert. Fast alle deutschsprachigen Tageszeitungen berichteten tage- und wochenlang darüber. Das Feuer brach im Heustadel des Gasthofes Zur Uhr aus und raste, angefacht durch den starken Föhn, durch die mit Schindeln gedeckten, ostseitigen Häuser bis in die Altstadt, sprang beim Gasthof Zum Stern auch auf die westseitige Häuserzeile über bis nach Mützens hinauf.
38 Häuser in Matrei, 14 in Mühlbachl wurden ein Raub der Flammen. Rund 400 Menschen verloren ihr Hab und Gut. Die Unterbringung dieser Obdachlosen war eine große Herausforderung. Lebensmittel und Sachspenden auf Grund des Aufrufes des Hilfskomitees auf Plakaten und in Tageszeitungen trafen alsbald aus ganz Österreich ein. Geld-Sammlungen in vielen Bundesländern für die Abbrändler brachten rasche Hilfe für die Ärmsten. Der Schaden belief sich auf rund eine Million Kronen.
Der Wiederaufbau war im Großen und Ganzen bis auf wenige Lücken 1931 offiziell abgeschlossen. Veränderungen gegenüber dem Standort einiger Häuser vor dem Brand führten zur Verbreiterung der Brennerstraße. Zusätzlich wurde für die neu zu erbauenden Häuser eine Eindeckung mit feuerfestem Material verordnet, die dann für alle Häuser von Matrei angewendet wurde. Auf zwei mit teilweise Bauverbot belegten Grundstücken wurde die Kriegergedächtniskapelle errichtet.
Am 15. Juli 1923 kam es im Schöfnerberg, Gemeinden Pfons und Navis, zu einem riesigen Waldbrand, bei dem ein Bauernhaus und einige Almhütten abbrannten.
Am 3. Mai 1939 und am 28. August 1939 zerstörten zwei Brände die Dächer der drei Kronehäuser samt Wirtschaftsgebäuden und das Stallgebäude des Lanergasthauses.


Walter Reitmair
1. Juni 2026