Bildungsreise „An die Grenzen Alttirols“ – Ein Rückblick
Das Trentino kennen die meisten durch den Blick aus dem Autofenster am Weg zum Meer. Dass diese Region über Jahrhunderte zum Herrschaftsbereich Tirols gehörte und bis heute von dieser Geschichte geprägt ist, gerät dabei leicht in Vergessenheit. Genau das war der Ausgangspunkt dieser Reise, die das Tiroler Bildungsforum im Kooperation mit dem Tiroler Geschichtsverein am 27. und 28. Juni 2026 organisierte.

Ohne Gottfried Wackerle wäre diese Reise eine andere gewesen. Er kennt die Region – ihre Geschichte, ihre Orte, ihre Menschen. Auf den Busfahrten erläuterte er, was draußen an den Fenstern des Reisebusses vorbeizog. Er führte durch einzelne Besichtigungsorte, ordnete ein, widersprach gelegentlich gängigen Vereinfachungen und wusste, wo man anklopfen kann. Seine persönlichen Verbindungen zu Land und Leuten öffneten Türen, die für eine gewöhnliche Reisegruppe schlicht nicht offen stehen. Ihm gilt unser aufrichtiger Dank!

Der erste Tag begann früh in Innsbruck und führte uns nach Südtirol und weiter ins Trentino. Die Villa Margon – ein Renaissance-Landsitz mit Fresken aus dem 16. Jahrhundert – ist ein Ort, an dem man sich Zeit nehmen sollte.



Das Areal der Ponte Alto wiederum erzählt von alpiner Wasserbaukunst, die ihrer Zeit weit voraus war.



Eine Rundfahrt durch das Porphyr-Abbaugebiet zwischen Cembratal und Fersental schloss den Nachmittag ab – eine Landschaft, die wirtschaftliche Geschichte nicht erklärt, sondern sehr deutlich sichtbar macht.


Den Abend verbrachten wir in Rovereto. Die Stadt lud ein, erkundet zu werden. Das Eis war gut, und es blieb Zeit, sich in Ruhe zu unterhalten.
Der zweite Tag hatte einen klaren Mittelpunkt: den Grenzstein an der Ex Dogana. Klein, unscheinbar, am Straßenrand. Wer nicht weiß, was er bedeutet, geht vorbei. Wer es weiß, bleibt stehen. Hier verlief die Südgrenze Alttirols.





Davor und danach besuchten wir die Chiesa di San Pietro in Bosco bei Ala und die Krypta der Kirche San Giovanni in Brentonico – bei sommerlicher Hitze übrigens auch eine willkommene Abkühlung.




Das Mittagessen fand in der Trattoria La Vineria de Tarczal statt, wo wir herzlich empfangen wurden, eine Führung durch den Keller erhielten und ein Weinverkostung den kulinarischen Rahmen setzte.



Den Abschluss bildete die Tabakfabrik in Borgo Sacco – ein Industriedenkmal, das Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region auf nüchterne und gerade deshalb eindrückliche Weise dokumentiert.


Um Punkt 18 Uhr kamen alle wieder in Innsbruck an. Unser Dank gilt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern – Chronistinnen und Chronisten, Erwachsenenschulleitungen, Mitgliedern des Tiroler Bildungsforums und des Tiroler Geschichtsvereins und Geschichtsinteressierten –, die trotz der Hitze an beiden Tagen verlässlich und aufmerksam dabei waren. Das ist keine Selbstverständlichkeit!
Text: Veronika Lamprecht
29. Juni 2026