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Bericht der Bildungsreise „Austria Romana II“

Nach der Reise ‚Austria Romana I‘ im Jahr 2023, die von Aguntum in Osttirol über Aquileia und Grado nach Teurnia in Kärnten geführt hatte, folgte nun der zweite Teil der Reihe. Vom 11. bis zum 13. September 2026 stand der Donaulimes im Mittelpunkt, jene Grenzlinie, die über Jahrhunderte die Nordgrenze des Römischen Reiches sicherte. Unsere Route führte von Wels bis Carnuntum.

Die wissenschaftliche Leitung der Reise lag bei Wido Sieberer, dessen Studium der Alten Geschichte und Archäologie den wissenschaftlichen Rahmen des Programms bildete. Mit seinem breiten Fachwissen ordnete er jede Station in den historischen Gesamtzusammenhang ein und machte die Verbindungen zwischen den einzelnen Orten fundiert und gleichzeitig unterhaltsam sichtbar. Die vom Tiroler Bildungsforum in Kooperation mit dem Geschichtsverein organisierte Reise zählte 35 Teilnehmende.

Tag 1: Von Rätien nach Noricum – Wels

Der erste Tag begann früh am Morgen im Westen Tirols, dessen Fläche einst der römischen Provinz Rätien zugeordnet wurde, und führte in die ehemalige Provinz Noricum. Die Grenze zwischen den beiden römischen Provinzen bildete der Ziller.

Unser erstes Ziel war das Stadtmuseum Wels. Das römische „Ovilava“ (heute Wels) war ein Zentralort der Provinz Noricum und lag an einem wichtigen Straßen- und Flussübergang. Unter Kaiser Hadrian erhielt die Siedlung den Status eines ‚Municipiums‘, unter Kaiser Caracalla den Titel einer ‚Colonia‘, dem prestigeträchtigsten Status, den eine Stadt außerhalb Roms erhalten konnte. Vom Begriff Colonia wurde übrigens das Wort „Kolonie“ ableitet. Das Museum zeigt Denkmäler und Kleinfunde, und die Präsentation machte das Alltagsleben der römischen Bevölkerung gut greifbar.

Anschließend führte Wido Sieberer durch die Stadt Wels. Wir gingen Teile des Umrisses der ehemaligen römischen Stadtmauer ab und konnten so die Ausdehnung der römischen Stadt von etwa 90 Hektar gut nachvollziehen. Die Stadt war von einer rund vier Kilometer langen Befestigungsmauer geschützt, der vier Spitzgräben vorgelagert waren. Das lässt erkennen, welche Bedeutung Ovilava für die Provinz hatte und wie sehr man auf die Sicherung der Stadt bedacht war.

Der Tag endete in Emmersdorf, wo unsere „Legion“ im Hotel „Zum schwarzen Bären“ ihr Lager aufschlug.

Tag 2: Pannonien – Carnuntum und Traismauer

Der zweite Tag begann schon vor acht Uhr mit der Busfahrt nach Bad Deutsch-Altenburg in der römischen Provinz Pannonien. Dort lag mit Carnuntum einer der wichtigsten römischen Militärstützpunkte. Der Schnittpunkt von Donau und Bernsteinstraße begünstigte hier die Entstehung einer der größten römischen Siedlungen nördlich der Alpen. Carnuntum war Legionslager und Hauptstadt der Provinz Pannonia superior.

Die Siedlung wurde im Lauf der Spätantike aufgegeben und blieb danach weitgehend unbebaut. Deshalb liegen knapp unter der Erdoberfläche die Reste eine ganze Stadt, die Stück für Stück erforscht werden. Die fehlende Siedlungskontinuität macht Carnuntum zu einem Glücksfall für die Archäologie.

Wir besuchten zunächst das Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg und anschließend das Freilichtmuseum in Petronell-Carnuntum mit rekonstruierten Gebäuden, in dem die Dimensionen und die Bauweise der römischen Stadt anschaulich werden. Ein Spaziergang führte uns zum einstigen Amphitheater, das die Größe und die Bedeutung der Stadt eindrucksvoll unterstreicht. Danach fuhren wir zum Heidentor, dem Wahrzeichen von Carnuntum. Es ist der Rest eines spätantiken Vierbogentors (Tetrapylon). Seine Funktion ist bis heute unklar.

Am Nachmittag führte die Fahrt nach Traismauer. Ein über dem Tor des Schlosses vermauerter Inschriftstein ließ dort schon seit dem 16. Jahrhundert ein Kastell vermuten. Am Abend fuhren wir zurück ins Hotel nach Emmersdorf.

Tag 3: Pöchlarn und Enns

Am dritten Tag fuhren wir zunächst nach Pöchlarn und besichtigten den Ortskern. In die Wände der Pfarrkirche sind zahlreiche Spolien vermauert. Die Steine stammen vom antiken Auxiliarkastell Arelape, auf dessen Areal Kirche und Kirchplatz errichtet wurden. Beim Neubau der Kirche als dreischiffiger Hallenbau ab 1389 wurden die Trümmer der römischen Steinbauten und der ehemaligen Stadtburg als praktisches Baumaterial wiederverwendet. Die Römerzeit lebt hier also in den Mauern weiter. Die Wiederverwendung antiker Bausubstanz ist ein Thema, das sich durch die ganze Reise zog.

Danach ging es nach Enns-Lorch, dem antiken Lauriacum. Dort besichtigten wir die Basilika St. Laurenz. Sie erhebt sich über den Mauerresten römischer Vorgängerbauten, die bei archäologischen Grabungen zwischen 1960 und 1966 freigelegt wurden. Das älteste Bauwerk, ein vornehmes römisches Haus, stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Darüber wurde im 4./5. Jahrhundert eine frühchristliche Kirche errichtet. So ist hier die Entwicklung von der römischen Stadt zur christlichen Spätantike an einem einzigen Ort ablesbar.

Zum Abschluss besuchten wir das Museum Lauriacum, das die Geschichte des ehemaligen römischen Legionslagers und der zugehörigen Zivilsiedlung zeigt. Lauriacum war Standort der Legio II Italica und zählte zu den wichtigsten Militärplätzen am norischen Limes.

Am Nachmittag traten wir die Rückfahrt nach Rätien an.

Die Reise durch die zwei Provinzen, Noricum und Pannonien, mit mehreren Kastellen, Städten und Museen zeigte ein stimmiges Gesamtbild der römischen Donaugrenze. Besonders deutlich wurde der Gegensatz zwischen Orten, an denen die Römerzeit nur noch in wiederverwendeten Steinen greifbar ist (Traismauer), und Orten, an denen sie weitgehend im Boden bewahrt blieb (Carnuntum). Die fachkundige und unterhaltsame Führung durch Wido Sieberer trug wesentlich dazu bei, dass die drei Tage lehrreich und abwechslungsreich waren. Weitere Bildungsfahren im Jahr 2027 sind bereits in Planung.

Text: Veronika Lamprecht
28. September 2026
Alle Bilder, wenn nicht anders vermerkt: Veronika Lamprecht