Basislehrgang Chronikwesen – Was bleibt für die Zukunft?
Am 23. und 24. Jänner 2026 fand im Spiegelsaal in Innsbruck der regelmäßig veranstaltete Basislehrgang zum Chronikwesen statt. Dabei zeigt sich eindrücklich, dass kontinuierlich neue Chronistinnen und Chronisten hinzukommen. Das bedeutet nicht nur, dass noch viel „von den guten alten Zeiten“ vorhanden ist, sondern vor allem, dass sich genug Menschen bereit erklären, dieses Wissen zu sammeln und für die Nachwelt zu ordnen.

Auch wenn die Überschriften des Lehrgangs stets die gleichen sind, ist doch jeder Lehrgang anders. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bringt individuelle Fragestellungen mit. So wird die Kapitelüberschrift „Was soll gesammelt werden?“ schnell zur persönlichen Herausforderung: „Bin ich denn für alles zuständig?“, „Wo soll ich die ganzen Postwürfe lagern – ich habe doch keinen Platz zu Hause?“ oder „Was wenn es noch den Chronisten der Schützen, den der Musikkapelle und private Chronisten gibt? Sollen wir uns absprechen, wer was sammelt?“
Und kaum ohne Umweg führt dies zur grundlegenden Grundfrage: Was macht meine Gemeinde, meine Gemeinschaft aus?
Diese Frage nach Auswahl und Repräsentation stellte sich auch 1977, als die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 mit ihren sogenannten Golden Records ins All geschickt wurden. Die vergoldeten Datenplatten (siehe Titelbild) sollten ein Bild der Menschheit vermitteln. Neben Naturgeräuschen und Grußbotschaften finden sich darauf vor allem westlich geprägte klassische Musikstücke sowie politische Botschaften, etwa jene des damaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim. Was damals als repräsentativ galt, würde man heute deutlich differenzierter bewerten.

Wir wissen nicht, welche Dokumente, welche Bilder in 50, 100 Jahren noch relevant oder aussagekräftig sind. Genauso wenig können wir heute voraussehen, welche Aspekte einer Gemeinde-Chronik künftigen Generationen Orientierung bieten werden.
Jeder Chronist muss für seinen Ort entscheiden, welche Aspekte besonders dokumentiert werden sollen.
Gibt es prägende Unternehmen oder eine starke Industrie, die den Ort stark beeinflusst hat?
Gibt es archäologische Funde oder besondere Ereignisse?
Welche Rolle spielt die geologische Lage oder wiederkehrende Naturkatastrophen?
So kann festgehalten werden, welche Informationen für die langfristige Dokumentation der Gemeinde relevant sind.
Auch am zweiten Tag des Lehrgangs wurde intensiv nachgefragt und diskutiert. Vor allem Themen wie Fotorechte, Archivierungs- und Ordnungssysteme beschäftigten die Teilnehmenden.

Der zweitägige Lehrgang war rundum gelungen. Dass er so bereichernd und anregend erlebt wurde, ist nicht nur den Vortragenden Bernhard Mertelseder und Andrea Raggl-Weissenbach zu verdanken, sondern auch dem Engagement und den frischen Fragestellungen der neuen Chronistinnen und Chronisten.
Text und Bilder: Veronika Lamprecht
Titelbild (Golden Records) und Bild der Voyager: Wikimedia
27. Jänner 2026